Wildwasser-Schulung in Sault Brenaz, Frankreich vom 13.-16.05.2010

Kalt, kälter, am kältesten – und trotzdem einen Sonnenbrand

 

Teilnehmer:

Christoph Straub (Übungsleiter), Sonja Straub, Marcel Straub, Sibylle Goertz, Monika Flaig, Jochen Flaig, Ingmar Flaig, Arne Flaig und mir als kompletter Wildwasseranfänger – Sandra Müller

Für mich als unerfahrener Camper und Wildwasserneuling war die Vorbereitungszeit bereits eine Mission. Nachdem ich direkt in der Vorbesprechungsrunde auf den Boden der Tatsachen geholt wurde, dass es dort keine Restaurants und sonstige Annehmlichkeiten gibt, musste ich mir Gedanken machen, was man denn alles benötigt und auch essenstechnisch zur Verfügung steht und machbar ist. Nach ein paar erfahrenen und guten Tips wurde ich dann fündig und organisierte mir auch sonst alle nötigen Ausrüstungsgegenstände, die man fürs Wildwasser und Campen so benötigt. Bereits eine Woche vor Abreise habe ich täglich sehnsuchtsvoll die Wettervorhersagen im Internet betrachtet, jedoch wurden die Temperaturen immer kälter statt wärmer. Und die Vorhersagen sollten sich dann auch bewahrheiten, bis auf den Regen, der wurde durch Wind ersetzt, was auf der einen Seite gut war, denn es blieb trocken, auf der anderen Seite allerdings die gerade mal 10-12 Grad tagsüber wesentlich kälter erscheinen ließen. Meine Reisetasche wurde immer voller, da täglich noch ein dickerer Pullover und zusätzliche Decken dazu kamen um der zu erwartenden Kälte entgegenzuwirken. Meine bestellte Zeltheizung, für die ich in der Vorbesprechungsrunde auch viel Gelächter erhielt, konnte zu guter Letzt leider nicht mehr geliefert werden, da die Heizung wegen zu großer Nachfrage leider ausverkauft war - ich habe sie sehr vermisst.  Nachdem ich dann alles gepackt und zurechtgelegt hatte für die Abfahrt, hatte ich das Gefühl ich würde auswandern bei all den Sachen, die man mitnehmen muss.

Am Mittwochabend um 18 Uhr haben Sibylle und ich uns am Kanuclub getroffen um das Auto zu beladen. Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen und eine Abholzeit für 5 Uhr morgens wurde zur Abfahrt festgelegt. Die Familie Straub ist mit ihrem Wohnmobil bereits am Mittwochabend nach Sault Brenaz aufgebrochen, was sich als Glück erweisen sollte, da wir ansonsten keinen Platz mehr auf dem Campingplatz in Sault Brenaz bekommen hätten, so voll war es an diesem Wochenende.

Punkt 5 Uhr am Donnerstagmorgen haben wir uns alle bei mir getroffen und sind gemeinsam mit 2 Autos Richtung Sault Brenaz aufgebrochen. Quer durch die ganze Schweiz ging es dann gegen 9.30 Uhr bei Genf über die Grenze nach Frankreich. Von dort aus hatten wir noch 1,5 Stunden vor uns, die wir im strömenden Regen bestreiten mussten. Um kurz vor 11 Uhr kamen wir dann am Campingplatz in Sault Brenaz an, der Regen hat Gott sei Dank aufgehört. Wir wurden von Christoph, Sonja und Marcel bereits erwartet und von Sonja darauf aufmerksam gemacht, dass das Thermometer steigt und es „schon“ 17 Grad hätte. Das war der wärmste Moment in all den 4 Tagen und trotzdem kalt! Wir haben erst mal alle nötige Hardware wie Tische und Stühle ausgepackt und uns am Straub´schen Wohnmobil unter der Markise ausgebreitet. Somit hatten wir alle Zugang zum Strom, was sich als einzigen Luxus an Wärme für uns zeltende Teilnehmer erweisen sollte, denn ich habe noch nie so viel heißen Tee getrunken in 4 Tagen. Nachdem wir dann alle gemeinsam gefrühstückt haben, wurden die Zelte aufgebaut und die Lage gecheckt. Christoph stellte das erste Mal die Frage, wer denn gleich mit auf den Kanal zum Üben kommt und eine begeisterte schnelle Antwort erfolge von fast allen anwesenden Teilnehmern (Sonja, Marcel und ich ausgenommen, wir wollten die wärmeren Zeiten abwarten, die leider nie kommen sollten, aber dessen wurden wir uns erst an den darauf folgenden Tagen gewiss, dieser erste Morgen wäre unsere wärmste Chance gewesen).

Die Frage von Christoph blieb jeden Morgen die Gleiche, die Begeisterung der Teilnehmer und somit auch die Schnelligkeit der Antworten nahm allerdings täglich ab. Aber der eiserne Wille durch den sich abzeichnenden Übungserfolg sorgte bei dem harten Kern der Teilnehmer (Sibylle, Moni, Jochen, Ingmar und Arne) für Trainingsfleiß - 2-mal täglich mind. 2 Stunden auf dem 8 Grad kalten Wasser des Kanals. Traversieren, Kehrwasser finden und Strömungslinien sehen waren in diesen 4 Tagen die Schlagworte, die es zu beherrschen gab. Rauf und runter immer wieder und für den ein oder anderen auch mal Kopf über und rollen oder aussteigen.

Am Ankunftstag hab ich mir das ganze erst mal aus der Ferne vom trockenen Land aus angeschaut. Es sah alles interessant und ganz logisch aus und somit wollte ich das am nächsten Morgen auch gleich mal ausprobieren. Somit gehörte ich an diesem Freitagmorgen dann auch zu den begeisternd Antwortenden bei Christophs Frage, wer heute fahren möchte. Und das, obwohl ich meine erste a…kalte Nacht bei vielleicht 4-5 Grad hinter mir hatte, in der ich mich doch fragen musste, was ich hier eigentlich mache. Hätte ich ein eigenes Auto dabei gehabt, hätte ich sicher meine Sachen nachts gepackt und wäre wieder nach Hause ins Warme gefahren. Meine Hoffnung mich morgens unter der warmen Dusche aufwärmen zu können, traf auch nicht ein, da das Wasser nur lauwarm war und der Wind durch die Kabinen zog, was mich zum Schnellduscher in den kommenden Tagen werden ließ. Die frühmorgendliche Stimmung wurde durch Christophs Aussage, dass er bei 22 Grad in seinem Wohnmobil sehr gut geschlafen hätte, nicht gerade besser. Aber so war ich nun einmal hier und wollte mich dem Wildwasser stellen. Rein in die Klamotten und ab ins Boot und auf den Kanal ins Wildwasser. Christoph wies mich in die wichtigsten Grundregeln des Wildwasserfahrens ein und zeigte mir, wie man es machen muss. Voller Euphorie wollte ich ihm hinterher und der 1. Badetag war eröffnet. Ich hielt mich nicht mal eine Minute über Wasser bis ich Bekanntschaft mit 8 Grad kaltem Wasser machte. Die 2. Bekanntschaft war die Tatsache, dass ich nun nicht einfach an einer Stelle Kopf über bleibe und wieder hochkommen muss, sondern dass ich mit dem Kopf unter Wasser noch in dem Boot sitzend mit der Strömung abwärts ins Unbekannte treibe. Mein erster Gedanke bei der Kälte und den Umständen war nur – nichts wie raus hier. Als ich endlich wieder an Land war und Christoph mir sagte, dass das der typische Fehler eines jeden Anfängers sei, half das wenig, denn mir war nun noch kälter. Ich wagte nichts desto trotz noch einmal einen Versuch, allerdings ganz am Ende des Kanals, wo es etwas ruhiger war. Da „traversierte“ ich ein bisschen und hielt Ausschau nach der „gefährlichen“ Strömungslinie, die einen ins Wasser wirft. Ob ich es richtig gemacht habe oder nicht weiß ich nicht, auf jeden Fall wollte ich nicht mehr ins Wasser fallen und somit beendete ich das Ganze auch recht schnell wieder, da es einfach nur kalt war und immer kälter wurde. Von den anfänglichen 17 Grad des Vortages konnten wir nur noch träumen. Am Samstag wollte ich es dann nochmals wissen, aber auch hier machte ich wieder nur Bekanntschaft mit dem 8 Grad kalten Wasser. Von da an blieb ich dann lieber beim Zuschauen vom Trockenen aus. Es war toll zu sehen, wie alle von Tag zu Tag besser wurden und den Kanal von oben nach unten gefahren sind.

Am Samstagabend fand dann noch ein Wildwasserslalom-Turnier von Kindern und Schülern statt, bei dem wir alle interessiert zugeschaut haben. Die Begeisterung für das Slalomfahren war so groß, dass Christoph gleich für Sonntagmorgen zwei Slalomboote reserviert hat, die dann auch jeder, der es kann, mal gefahren ist – also alle bis auf ich, sogar Sonja hat sich dafür in ihre Neoprenkleidung geschmissen und ist eine Runde gefahren, der Kälte zum Trotz. Denn das tägliche Sehnen nach Sonne und besserem Wetter sollte sich doch tatsächlich an diesem Sonntag – Tag der Abreise – erfüllen. Wir bekamen blauen Himmel und Sonne zu Gesicht, was dann auch bei dem ein oder anderen zum Abschluss der 4 Tage noch für einen Sonnenbrand gesorgt hat. Das ist Ironie des Schicksals, aber Humor ist wenn man trotzdem lacht…

Um 14 Uhr haben wir nochmals zusammen gegessen, bevor es wieder hieß: Zelte abbauen, Auto beladen und Boote fest machen. Um 15 Uhr haben wir alle dann wieder die Heimreise angetreten, die um 20.30 Uhr am Kanuclub in Radolfzell mit dem Abladen der Boote endete.

Obwohl jeder gefroren hat, war die Stimmung trotz allem immer gut und wir haben alle das Beste daraus gemacht. Es wurde viel gelernt und große Fortschritte erzielt. Jeder noch so kurze Moment in dem die Sonne auch nur zu erahnen war, wurde genossen und während der restlichen Zeit, die eindeutig überwog, wurde auf das bessere Wetter „morgen“ getrunken. Wir haben viel gelacht, obwohl nicht mal der Rotwein geschmeckt hat, denn dem war es auch zu kalt.

Es hat Spaß gemacht und war eine interessante Erfahrung, ich werde mein Glück bei der nächsten Gelegenheit im Wildwasser nochmals versuchen in der Hoffnung, dass es wärmer sein wird und ich es irgendwann so gut kann wie die anderen Teilnehmer. Mein erstes Ziel liegt dabei eindeutig darin, nicht mehr baden zu gehen um dem kalten Wasser weitestgehend aus dem Weg zu gehen.